Putin zieht Truppen aus Syrien teilweise zurück. Will weiterhin bombardieren. Falle für Turkei?

Obwohl Russland einen Rückzug seiner  Flugzeuge und seines Personals aus Syrien begonnen hat, wird es weiterhin terroristische Ziele in Syrien bombardieren. “Es ist zu früh, vom Sieg über den Terrorismus zu sprechen, sagte der stellvertretende russische Verteidigungsminister, Nikolai Pankov, der Nachrichtenagentur Tass. (Radio Dänemark 15. März 2016).

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Am 14. März kündigte Putin an, er werde die meisten seiner Truppen aus Syrien zurückziehen, da sie “ihr Ziel erreicht haben” – und Putin sagt, er wolle nun Friedensstifter sein. Bereits am 15. März waren die Truppen dabei, Syrien zu verlassen.
Man kann nicht umhin, zu fragen, warum dieser Rückzug so plötzlich kommt. Dabei gibt Putin der NATO und der Türkei insbesondere (Wiederherstellung des Osmannischen Reiches), freie Hand.

Hier sind einige mögliche Gründe für Putins Rückzug:
1)  Ist Putins Rückzug eine Falle für die Türkei? Wird die Türkei nun ungehindert und offen in Syrien eindringen, um die Kurden zu bekämpfen und ihre Waffenbrüder, den ISIS, zu schützen? Laut dem russischen Außenminister, Lawrow, haben türkische Soldaten sich bereits auf syrischem Boden, ein paar hundert Meter südlich der Grenze, eingegraben.  Ihre 2. Armee ist  an der syrischen Grenze zum Einzug bereit, und die Türkei sichert schon ISIS Lager südlich der Grenze.

erdogan-putin Putin hasst persönlich  Erdogan und umgekehrt, seit die Türkei ein russisches Flugzeug im vergangenen Jahr abgeschossen hat. Dieses Foto ist vor ihrer Eiszeit. Erdogan will Syrien zum Teil seines osmannischen Reichs machen. Putin steht ihm im Wege.

The Guardian 15 March 2016  schreibt: Putins Ankündigung überraschte militärische Analysten: niemand sah den Abzug kommen, auch solche mit engen Verbindungen zur militärischen Hierarchie nicht.
Dies hat viele veranlasst, zu fragen, ob dieser Rückzug real ist.

2) “Niemand wollte nach der Ukraine mit Russland verhandeln, und das Ziel der Syrien-Kampagne  war, den Westen dazu zu zwingen, mit Russland wieder zu verhandeln”, sagte der unabhängige Militärexperte, Alexander Golts. “Dies ist geschehen, und jetzt sind sie aus dem Konflikt mit minimalen Verlusten. Ich denke, es ist ein ziemlich genialer Schachzug.

3) Stuff.co.nz:  Indem Putin sich  angeblich dem Kampf gegen den islamischen Staat beitrat – auch wenn die meisten russischen Ziele  andere Rebellengruppen waren –  hoffte Putin, Russland könnte sich von den Sanktionen durch den Westen wegen des Kriegs in der Ukraine befreien. Aber das ist nicht geschehen. Die Sanktionen haben Russland gebissen wie auch der Rückgang der Ölpreise.

Es kann in der Tat das Öl sein, das  im Kreml ein Umdenken erzwungen hat. Nach Angaben von Diplomaten haben die Saudis  den Russen leise erzählt, dass sie durch die Befreundung  mit der schiitischen Welt einen Fehler machten,und  wie sunnitische Freunde in der OPEC wichtiger sein könnten, wenn es um die Stabilisierung des Ölmarkts gehe.

Salman-Putin Am 17. Nov. 2015 traf Putin sich mit dem Saudi-König Salman.

4) Andere Nahost-Experten haben auch die Russen davor gewarnt,  dass sie vor der Gefahr sstünden, in einen Krieg mit der Türkei verwickelt zu werden, die im November einen russischen Jet abschoss, der angeblich ihren Luftraum kurz verletzte.

Russische Beamte haben zugegeben, es sei unrealistisch, zu kämpfen, um Assads volle Kontrolle über Syrien wiederherzustellen, und dass es Zeit sei, eine Verhandlungslösung zu suchen.

5) The Telegraph 15 March 2016: In der Tat, der Zeitpunkt der Ankündigung des russischen Präsidenten deutet an, dass Moskau die Geduld mit der trotzigen Haltung, der syrischen Delegation bei der Eröffnung der Genfer Gespräche schnell verliert.
Hinzu kommt die wirtschaftliche Not, die Moskau als Ergebnis ihrer Unterstützung für Herrn Assad erlitten hat, und es ist leicht zu verstehen, warum Russland eifrig ist, sich vom  syrischen Morast zu befreien.
Selbst wenn irgendeine Art von Deal in Genf ausgehandelt wird, bleibt die immens komplexere Herausforderung des ISIS. ISIS bedroht die Stabilität nicht nur in Syrien und im Nahen Osten, sondern der Welt.

6) Hat Putins Meister, die London City  und hier, die seine Zentralbank regiert, ihm befohlen aufzuhören?
Ihrem Ziel, einer syrischen Rothschild Zentralbank, stand Putin im Wege.

Saker ist amerikanischer Ex-Militär-Analyst russischer Herkunft, der für  Russia Insider schreibt – und er hat ein internationales Blogsystem.
The Saker 14 March 2016: Sergej Lawrow hatte einen absolut verrückten Zeitplan im vergangenen Monat, und russische Diplomaten haben intensive Verhandlungen mit allen regionalen Mächten geführt. Ich bin zuversichtlich, dass die Russen ihren Rückzug zumindest so sorgfältig wie ihre Intervention geplant haben.

Die Russen gingen mit einer kleinen Streitkraft hinein und sie erreichten begrenzte Ziele: die legitime Autorität der syrischen Regierung wurde stabilisiert und die Voraussetzungen für einen politischen Kompromiss wurden geschaffen.

Durch das Ausscheiden ihrer Streitkräfte könnten die Russen das Signal an die USA geben, dass sie freigestellt sind, ihren “kleinen siegreichen Krieg” gegen Daesh (ISIS) zu haben. Aber dies könnte auch eine Falle für die USA sein. Das US-Militär könnte mit Iranern und Hisbollah-Kämpfern  konfrontiert werden. Außerdem, im Gegensatz zu den russischen Luftstreitkräften werden die Amerikaner Bodentruppen einsetzen müssen.

Die Frage wird sein, ob die Amerikaner versuchen werden, eine de-facto-Teilung Syriens zu erreichen – Brookings (de jure können sie es nicht, da eine UNSC-Resolution speziell einen einheitlichen Staat verlangt).
Aufteilung Syriens war und ist immer noch das langfristige israelische Ziel. In Anbetracht der immensen Stärke der Neocons heute (vergessen Sie eine Hillary- Präsidentschaft!) sind die Chancen, dass die USA versuchen,  Syrien aufzuteilen, immens.

Riskiert der russische Rückzug nicht, Ostsyrien in Daesh-Hände zu überlassen?
Im Jahr 2012 brachte die US Defence Intelligence Agency die folgende Information. Also, das Pentagon weiß sehr wohl, dass die Salafisten (ISIL) zusammen mit der Muslimbruderschaft und AQI (Al Qaida) die Aufständischen in Syrien sind. Und die USA, finanzieren  und bilden (in der Türkei) und rüsten sie dafür aus, einen oder mehrere Enklaven innerhalb Syriens zu bauen. Dieses Dokument muss der Hintergrund des obigen Brookings-Dokuments sein.

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Schließlich, wenn die Türken und ihre Saudi-Verbündeten wirklich in Syrien eindringen,  würde es mit ziemlicher Sicherheit zu einer Aufteilung von Syrien führen, da es zweifelhaft ist, dass die syrische Regierung Daesh und die Türkei sowie die Saudis zur gleichen Zeit meistern könnte. Der Iran  könnte es natürlich, was aber zu einer Eskalation führen würde, die die gesamte Region bedroht.

Putin lässt die Tür für eine “Ziel-Vollendungs-“Einsatz offen.

Moskau wird seine Khmeimim Luftwaffenstützpunkt in der Latakia Provinz und einen Stützpunkt im Hafen von Tartus behalten”.
Die Russen werden auch weiterhin die Syrer mit Hardware, Schulung, Geheimdiensten und speziellen Operationen beliefern, und zweitens werden sie die Möglichkeit behalten, mit militärischer Macht einzugreifen, wenn / falls sehr kurzfristig nötig (z.B. im Falle eines türkischen Angriffs gegen Latakia).

Russland ist nach wie vor schwach. Vor allem im Vergleich zu dem noch immensen anglo-zionistischen Imperium, deren Ressourcen einfach Russland zum Zwerg machen’. Daher tritt Russland sorgfältig und gut beraten auf.

Kommentar
Aber immer wieder bleiben die russischen Atomboomben, die Russland zu allem anderen als einen Zwerg machen, unerwähnt.

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2 Responses to Putin zieht Truppen aus Syrien teilweise zurück. Will weiterhin bombardieren. Falle für Turkei?

  1. Leo says:

    Ein russischer Rückzug, der keiner ist
    http://www.politaia.org/kriege/syrien-ein-rueckzug-der-keiner-ist/

    Es gibt wahrscheinlich keine Figur auf der Welt, welche die Unterstützer von Putins Politik und seiner strategischen Unternehmungen mehr verwirren kann, als Putin selbst. Im Moment sind die sozialen Medien überrascht und erstaunt über die Ankündigung des russischen Präsidenten, dass die russischen Militärs sich von Syrien “zurückziehen”.

  2. AJD says:

    Ich glaube Russland will nicht den selben Fehler wie im Afghanistankrieg wiederholen.
    Damals haben die Amis den Ölpreis gedrückt und die Sowjets durch Täuschung in einen langen teuren Krieg gezogen. Die Amis haben die al-Kaida Vorläufer mit Stinger ausgerüstet, was den Russen schwere Verluste brachte.

    Die heutige Situation ist eigentlich genau die gleiche. Die Saudis wollen oder haben die IS mit Flugabwehrraketen ausgerüstet.

    Die USA wollen unbedingt verhindern, dass Russland zur neuen Weltmacht wird, was sie heute abgesehen von Atomwaffen noch nicht ist und die ehemaligen Verbündeten fallen durch CIA-Putsche wie die Fliegen. Doch die Russen werden wohl nicht zwei Mal denselben Fehler begehen.
    Hinter den Kulissen werden natürlich auch einige Dinge ablaufen, die man nur erahnen kann. Ich vermute es wäre schlecht für die messianischen Sekten, wenn RU den Krieg schnell gewinnen würde, sonst würde der 3.WK verhindert und so würden die Prophezeiungen nicht eintreffen.

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